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“Gesunde Gemeinde”: Geburtshilfe - Trends

Die letzte Mutter-Kind-Pass Untersuchung ist zwischen der 35. und der 38. SSW vorgesehen. Bis zum Geburtstermin vergehen somit 3-6 Wochen, ein Zeitraum indem seitens der Gesundheitsbehörde keine Untersuchungen vorgesehen sind. Zum Zeitpunkt der letzten MKP- Untersuchung haben sich die werdenden Mütter meistens schon entschieden, wo sie ihr Kind zur Welt bringen wollen.

Prim. Univ. Prof. Dr. F. Girardi: An der geburtshilflichen Abteilung des Landesklinikums Thermenregion Baden ist die Geburtsanmeldung um die 35. Schwangerschaftswoche vorgesehen. Ab diesem Zeitpunkt übernimmt die Abteilung auch die weitere Schwangerschaftsbetreuung bis zur Geburt. Die Schwangere erhält einen Termin zur ersten CTG - Untersuchung. Es wird ambulant eine Herztonkurve des Kindes aufgezeichnet. Diese ambulante Untersuchung hat sich sehr bewährt, da damit gezeigt werden kann und auch dokumentiert wird, dass das Kind lebt und dass es ihm im Mutterleib gut geht. Die nächste Kontrolluntersuchung findet dann um den errechneten Geburtstermin statt und von dort weg in kürzeren Abständen. Ist bis 10 Tage nach dem errechneten Geburtstermin die Geburt nicht von selbst in Gang gekommen, soll die werdende Mutter aufgenommen und die Geburt eingeleitet werden. Diese Vorgangsweise ist deshalb notwendig, da bekannt ist, dass der Mutterkuchen nur eine beschränkte Zeit funktionstüchtig ist.

Nur 5% der Kinder kommen zum errechneten Geburtstermin zur Welt. In der Regel setzen um den Geburtstermin die Wehen von selbst ein. Sobald die Wehentätigkeit regelmäßig in 5 minütigen Abständen andauert, ist die Gebärende gut beraten sich ins Krankenhaus zu begeben.

Es wird immer wieder die Frage gestellt:" Kann ich mir einen Kaiserschnitt - eine Sectio wünschen? " Aus medizinischer Sicht ist die Frage mit einem klaren "Nein" zu beantworten, da für jeden operativen Eingriff, also auch für einen Kaiserschnitt, eine medizinische Begründung gegeben sein muss. Beim Kaiserschnitt unterscheiden wir Begründungen aus kindlicher oder mütterlicher Sicht. Ein Beispiel für die kindliche Indikation ist die mangelnde Sauerstoffversorgung des Kindes. Das Baby würde ohne Kaiserschnitt im Mutterleib sterben. Aus mütterlicher Sicht ist eine Begründung zum Beispiel dann gegeben, wenn etwa das mütterliche Becken im Vergleich zum Kind zu klein ist und daher das Kind niemals auf natürlichem Wege zur Welt kommen könnte. Wie ist die Situation aber wenn weder aus kindlich noch aus mütterlicher Sicht die Notwendigkeit für einen Kaiserschnitt besteht, sondern lediglich die Betroffene sich einen Kaiserschnitt wünscht? Für uns Ärzte gilt es zu hinterfragen, warum sich die Frau einen Kaiserschnitt wünscht. Dabei zeigt sich, dass in den überwiegenden Fällen die Angst vor den Wehen und den damit verbundenen Schmerzen die Motivation für einen Wunschkaiserschnitt ist. In diesen Fällen können wir jeder Gebärenden die schmerzfreie Geburt anbieten. Der Kaiserschnitt ist eine lebensrettende Maßnahme und soll es auch bleiben. Wenn keine Komplikationen eintreten ist die spontane Geburt für Mutter und Kind optimal. Es steht außer Zweifel, dass eine intensive Beratung während der Schwangerschaft notwendig ist um durch mangelnde Information entstandene Fehlentwicklungen in der Geburtshilfe zu vermeiden.

Besonders angenehm für die Gebärenden ist das Entspannungsbad. Die Wehen werden weniger schmerzhaft empfunden und es kommt rascher zur Geburt. Die Wassergeburt kann gut überwacht werden und erfreut sich zunehmender Beliebtheit.

Noch eine Bemerkung zum Dammschnitt: vor Jahren war es üblich, dass fast jede Gebärende beim ersten Kind einen Dammschnitt bekam. Heute ist es umgekehrt und der Dammschnitt ist die Ausnahme. Wir machen den Dammschnitt nur, wenn es unbedingt notwendig ist, um einen Geburtsschaden bei Mutter oder Kind zu vermeiden.

Der Blasensprung zu Hause, Hebamme Claudia Oblasser:
Bei etwa 8-20% der Geburten kommt es zu einem Blasensprung vor Wehenbeginn. Bei einigen Frauen mit leichter Wehentätigkeit springt die Fruchtblase, bevor sie im Krankenhaus sind. Manchmal ist der Blasensprung eindeutig: viel Fruchtwasser geht ab, "alles ist nass". In anderen Fällen kommt nur wenig Fruchtwasser tropfenweise aus der Scheide - dann wird der Blasensprung im Krankenhaus mittels einer chemischen Reaktion bestätigt, um ihn vom Abgang von Harn oder Vaginalsekret zu unterscheiden. Das Fruchtwasser sollte geruchlos und klar wie Wasser sein, eventuell finden sich weisse Flocken der kindlichen Käseschmiere darin. Falls das Fruchtwasser grünlich oder übelriechend ist, muss der Zustand des Kindes gleich genau überprüft werden.
Der Blasensprung kann auch mit dem Abgang des Schleimpfropfes verwechselt werden, der den Muttermund in der Schwangerschaft verschließt. Dieser Schleimpfropf geht gegen Ende der Schwangerschaft ab, manchmal knapp vor der Geburt, vielleicht sogar unbemerkt, unter Umständen aber bis zu drei Wochen vorher. Dieser Vorgang wird "Zeichnen" genannt. Dabei kann es aus dem Muttermund auch zu einer ganz leichten Blutbeimengung kommen (Tropfen, Schlieren). Sobald die Fruchtblase gesprungen ist, ist die Hülle, die das Kind nach aussen hin schützt, geöffnet. Keime, die sich in der Scheide jeder Frau befinden und normalerweise keinen Schaden anrichten, können nach oben in die Gebärmutter zum Kind wandern und dort eine Infektion hervorrufen. Damit dies nicht passiert, sollte ab dem Blasensprung nicht zu viel Zeit bis zur Geburt verstreichen. Die meisten Frauen bekommen innerhalb von 24 Stunden nach dem Blasensprung von selbst Wehen, bei den anderen wird die Wehentätigkeit künstlich in Gang gebracht.

Was sollen Sie nun außerhalb des Krankenhauses im Falle eines Blasensprungs tun? Zuerst einmal: Keine Panik. Auch wenn für Sie die Geburt aufregend ist, ist eine Geburt an sich ein normaler, gesunder körperlicher Vorgang und es besteht kein Grund zur Beunruhigung. Begeben Sie sich allerdings nach dem Blasensprung ins Krankenhaus, denn mit ihm hat die Geburt begonnen. In Österreich gibt es die Empfehlung, sich nach dem Blasensprung hinzulegen und sich liegend mit der Rettung ins Krankenhaus bringen zu lassen. Diese Vorgangsweise scheint in Mitteleuropa beheimatet zu sein; Hebammen in England, Neuseeland oder den USA kennen das Hinliegen nach dem Blasensprung nicht. Unsere Praxis wird mit der Vermeidung eines Nabelschnurvorfalls vor den vorangehenden Kindesteil begründet, es gibt allerdings keine wissenschaftlichen Nachweise, ob diese Vorgehensweise tatsächlich wirksam ist. Sie dürfte aus dem Wunsch entstanden sein, den Nabelschnurvorfall verhindern zu wollen, und wird heute weiter empfohlen, "weil es alle sagen". Da ein Nabelschnurvorfall ein sehr seltenes Ereignis ist (2-4 von 1000 Geburten), halte ich ein routinemäßiges Hinlegen für übertrieben. In Nordeuropa wird die Empfehlung für Frauen verwendet, die ein höheres Risiko für einen Nabelschnurvorfall aufweisen, zum Beispiel bei Steißlage des Kindes oder Frühgeburt (vor vollendeter 37.Schwangerschaftswoche). Eine mögl. Vorgangsweise ist daher, in der Schwangerenvorsorge den Arzt zu fragen, ob eine solche Risikosituation vorliegt, und entsprechend zu handeln.

Keinesfalls brauchen Sie sich nach einem Blasensprung am Boden liegend anzuziehen oder zum Tel. zu kriechen. Im Fall von Unsicherheiten gilt immer: Tel. Kontakt mit der diensthabenden Kreisssaal-Hebamme aufnehmen!

Wir sind Tag und Nacht für Sie da, und ein einfaches Tel.-Gespräch kann Ihnen weiterhelfen und beruhigend wirken.

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